Mandolinenorchester

Mandolinenorchester

Das Meuroer Mandolinenorchester möchte Menschen zusammenbringen und mittels der Musik die Gemeinschaft und den Einzelnen stärken. Schon bei der ersten Probe fanden sich Männer, Frauen und Kinder im Alter von 9 bis 66 und selbst blutige Anfänger konnten erste Orchesterluft schnuppern. Spaß hatten alle.

Das Orchester wird von Stephan John angeleitet.

Stephan John

Was ist ein Mandolinenorchester?

In unserem Kulturraum gibt es eine lange Geschichte von Mandolinenorchestern. Sowohl in der klassischen, als auch in volkstümlichen Musik gab es sehr viele dieser Orchester. Leider gibt es die meisten davon nicht mehr. Mittlerweile ist es schwer überhaupt einen Lehrer für die Mandoline zu finden.

Wir möchte diese Tradition in unsere Zeit bringen und zeigen wie inkludierend und schön diese Form des gemeinsamen Musizierens sein kann. In einem Mandolinenorchester können nicht nur Mandolinen spielen. Auch Gitarren, Ukulelen, Bass, Schlag- und Orffinstrumente oder Streichinstrumente finden ihren Platz.
Man ist sehr frei was die Liedauswahl angeht und von Mozart über Woodie Guthrie bis zu Christina Aguilera kann man im Grunde alles adaptieren.

Inklusion

Oft ist es für „Anfänger“ schwierig Anschluss zu finden, wenn gemeinschaftlich musiziert wird. Dabei ist es auch und gerade als „Anfänger“ wichtig, Musik in allen erdenklichen Situationen und Rahmen zu machen. Man lernt erst im Zusammenspiel viele wichtige Kompetenzen und es ist die beste Übung für den „musikalischen Verstand“ mit Anderen zu spielen. Zuhören!!!, Takt, Rhythmus und Groove erkennen und einsteigen, ein Gefühl für Dynamik und Klang entwickeln, Selbstzweifel überwinden. All das macht die Musik erst wirklich frei und damit auch den Musizierenden.
Ein Mandolinenorchester gibt auch „Anfängern“ die Möglichkeit mit anderen zusammen etwas wirklich Schönes zu erschaffen und von und mit anderen zu lernen. In jede Komposition kann man Funktionsstimmen einbauen, die nur auf Leersaiten gespielt werden und jedem den Einstieg ins gemeinsame Musik machen ermöglichen. Weiterhin sind die Lieder im Repertoire meist bekannt und meist auch nicht sehr schwierig. Und einfach schief mitsingen geht sowieso immer 🙂

Musik muss nicht schwer sein um schön zu sein. Wenn jemand der 3 Akkorde auf der Mandoline spielen kann und damit in ein Altenpflegeheim geht, um dort älteren Menschen ein paar Klänge aus ihrer Kindheit vorzuspielen steht das in meinen Augen einem großen Orchester mit Stardirigenten in Nichts nach. Wir reden ja auch permanent miteinander ohne ununterbrochen Kant und Goethe zu zitieren.

Probe des Mandolinenorchesters

Freude und Spielen statt Frust und Üben

Kleine Probe im Pfarrgarten

Die Musikpädagogik, die Kinder dazu zwingt unausgebildet vor einer Schulklasse ein Lied singen zu müssen, um danach eine Note dafür zu bekommen ob es „gut“ oder „schlecht“ war, die Musik mit einer Art Kollektivtrauma belegt. Die meisten Menschen trauen sich nicht, auch nur einen Ton von sich zu geben, weil sie Angst haben es „falsch“ zu machen. Dabei ist der Sinn und die Freiheit in der Musik die Möglichkeit Fehler zu machen, daraus zu lernen und sie aufzugreifen und einzubinden. Wenn der Mensch sich den Fehlern die er macht dankbar öffnet statt Angst davor zu haben, lernt er egal in welchem Alter und egal mit welcher Vorbildung schnell „echte“ Musik zu machen. Wenn sich ein Kind zum ersten mal begeistert mit einem Instrument auseinandersetzt, ist näher am Kern der Musik, als ein in Technik perfekt ausgebildeter Mensch, der sich aber in erster Linie selbst darstellt.

Musik ist spielen. Immer! Es gibt kein reines Üben und es gibt keine Leistung die man erbringen muss. Musik ermöglicht es dem Menschen einen tieferen Zugang zu sich Selbst zu erlangen und diesen mit anderen zu teilen.
Nicht nur Bildungs- und Sozialwissenschaften haben Spieltheorien mittlerweile ganz oben auf ihrer Agenda. Auch in der Verhaltenspsychologie geht man davon aus, dass wirkliches Lernen nur mit Freude und Interesse, nicht mit Leistungsgedanken und Angst stattfinden kann.